FAQ: Allgemeines

 

Welche Symptome zeigen herzkranke Tiere? Gibt es Unterschiede zwischen Hunden und Katzen?

Herzkranke Hunde und Katzen zeigen oft ähnliche Krankheitssymptome, trotzdem gibt es kleine Unterschiede. Gerade Katzen verbergen ihre Krankheit sehr lange und werden deshalb erst oft mit schon weit fortgeschrittener Erkrankung vorgestellt. Das liegt u.a. daran, dass Katzen doch häufig einen eher lasziven Lebensstil an den Tag legen und den Großteil des Tages schlafen. Die Leistungsfähigkeit einer Katze lässt sich also, wenn überhaupt, nur schlecht beurteilen. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass Katzen im Gegensatz zu Hunden oder auch dem Menschen so gut wie NIE kardial bedingt husten – dies kann aber beim Hund auf ein beginnendes Lungenödem Hinweisen (Ursachen bei Katzen sind v.a.: felines Asthma, Lungenparasiten).  Dadurch werden Katzen häufig erst mit Atemnot als erstem Anzeichen einer Herzkrankheit vorgestellt. Häufige Symptome einer Herzerkrankung sind:

Leistungsschwäche (v.a. Hund)

Husten (Katzen so gut wie NIE)

Schnelle Atmung (Tachypnoe) bis hin zur Atemnot (Dyspnoe)

Umfangsvermehrter Bauch infolge einer Bauchwassersucht (Aszites)

Ohnmachtsanfälle (Synkopen)  

Abmagerung (im Endstadium)

Oftmals erscheinen Patientenbesitzer etwas enttäuscht, wenn aufgrund einer bestimmten Symptomatik eine Herzerkrankung vermutet wurde, die sich aber nicht durch eine kardiologische Untersuchung  bestätigen ließ. Hierüber sollte man sich aber freuen, denn eine Herzerkrankung, die zur Entstehung klinischer Symptome geführt hat, befindet sich schon in einem weit fortgeschrittenen Stadium. Die Prognose für Patienten mit weit fortgeschrittener Herzerkrankung ist in der Regel äußert schlecht.

 

Gerade beim Welpen ist eine sorgfältige Auskultation extrem wichtig
Gerade beim Welpen ist eine sorgfältige Auskultation extrem wichtig

Bei meinem Welpen wurde bei der ersten Impfung ein Herzgeräusch gehört. Kann ich erstmal abwarten und ihn in 6 Monaten nochmal abhören lassen?

Besser wäre es, den Welpen einem Kardiologen zum Herzultraschall vorzustellen. Der Grund hierfür ist, dass man anhand eines Herzgeräusches kaum sagen kann, ob ein gutartiger Prozess dahinter steckt oder ob eine Herzerkrankung die Ursache ist. Ist eine Herzerkrankung die Ursache, kann es sein, dass Abwarten dazu führt, dass sich das Herz infolge der Erkrankung immer weiter verändert, so dass später keine Hilfe mehr möglich ist, obwohl der Defekt zu einem früheren Zeitpunkt hätte komplett behoben werden können. Natürlich kann auch ein harmloser Prozess zugrundeliegen, das lässt sich aber nur mittels Echokardiographie klären. Hier gilt: lieber auf Nummer sicher gehen und sich dann freuen, wenn wirklich keine Herzerkrankung vorliegt.

 

Mein Tier ist schwer herzkrank. Leidet es?

 Viele schwer herzkranke Patienten können mit geeigneten Medikamenten ein lebenswertes Leben führen, haben also eine gute Lebensqualität. Da jede Herzerkrankung aber immer weiter fortschreitet, kommt irgendwann jedoch der Punkt, an dem sich trotz aller Bemühungen der Zustand des Patienten so weit verschlechtert, dass eine Euthanasie als letzter Schritt in Erwägung gezogen werden muss. Dies ist letzten Endes dann der Fall, wenn ein Tier nur noch eine sehr eingeschränkte Lebensqualität besitzt. Oft ist es jedoch schwierig festzustellen, ob ein Tier leidet oder nicht, dies gilt insbesondere für den Tierarzt, der den Patienten nicht tagtäglich sehen kann. Dass es einem Patienten schlecht geht, kann man oft daran erkennen, dass er schlecht oder nicht mehr frisst, sich verkriecht, apathisch ist oder nur noch sehr angestrengt atmen kann.

 

Kann man Herzerkrankungen in der Tiermedizin heilen?

Das hängt davon, um  welche Erkrankung es sich dabei handelt. Generell kann man sagen, dass die sog. erworbenen Erkrankungen, also alle Herzkrankheiten, die im Alter auftreten wie (z.B. die Mitralklappeninsuffizienz, die Dilatative Kardiomyopathie (DCM) oder die Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) NICHT heilbar sind. Man kann zwar medikamentös  die Symptome lindern und so die Lebenszeit verlängern, eine Heilung ist jedoch nicht möglich.

Anders verhält es sich bei den angeborenen Herzerkrankungen. Die häufigsten wie Pulmonalstenosen oder Persitierende Ductus Arteriosus (PDA) lassen sich in der Regel mittels minimalinvasiver Kathetertechnik entweder vollständig heilen oder so beeinflussen, dass der Patient damit niemals klinisch auffällig wird. Ähnliches gilt für langsame Herzrhythmusstörungen wie z.B. den AV-Block III. Grades. Durch eine Schrittmacherimplantation lassen sich solche Patienten vollständig heilen.

 

Wie häufig kommen Herzerkrankungen beim Kleintier überhaupt vor?

Erkrankungen des Herzens gehören mit zu den häufigsten Vorstellungsgründen in der Tierarztpraxis – etwa jeder 10. Patient leidet an einer Herzerkrankung.

 

Gibt es Herzinfarkte bei Hunden oder Katzen?

Den klassischen, aus der Humanmedizin bekannten Herzinfarkt gibt es beim Kleintier nicht. Ein Grund hierfür ist, dass die Hauptursache für dieses Erkrankungsbild, die Arteriosklerose oder Koronare Herzerkrankung beim Kleintier nicht auftritt.

 

 

So "stressig" ist ein Herzultraschall
So "stressig" ist ein Herzultraschall

FAQ: Herzultraschall und Röntgen

 

Was bedeutet Echokardiographie?

Echokardiographie bedeutet nichts anderes als die Darstellung des Herzens mittels Ultraschall. Es handelt sich somit also um einen Herzultraschall.

 

 

 

Bei manchen Patienten sind dann doch ein paar "Sicherheitsvorkehrungen" notwendig
Bei manchen Patienten sind dann doch ein paar "Sicherheitsvorkehrungen" notwendig

Ist die Echokardiographie invasiv?

Nein.  Die Echokardiographie ist weder schädlich noch invasiv. In 99% aller Fälle ist keine Sedation (medikamentelle Ruhigstellung) des Patienten notwendig. Dies gilt auch für Katzen.

 

Muss mein Tier geschoren werden?

In der Regel – NEIN. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung und aufgrund meines modernen Ultraschallgerätes muss der Patient so gut wie nie rasiert werden.

 

Wie wird die Echokardiographie durchgeführt?

Der Herzultraschall erfolgt meist am auf der Seite liegenden Tier. Zuerst wird Ihr Tier von der rechten und nach einem kurzen Seitenwechsel von der linken Seite untersucht. Die Dauer ist dabei abhängig sowohl von der Komplexität der Erkrankung als auch vom Patienten selbst. Je ruhiger der Patient, umso schneller ist der Ultraschall geschafft. In den meisten Fällen dauert eine komplette echokardiographische Untersuchung zwischen 10 und 30 Minuten.  In Notfällen erfolgt eine zunächst Kurzeinschätzung innerhalb weniger Minuten, damit entsprechende therapeutische Maßnahmen ergriffen werden können. Sobald der Patient stabil genug ist, kann anschließend eine komplette diagnostische Aufarbeitung erfolgen.

 

Was bedeutet 2-dimensionale (2D-) Echokardiographie?

Hiermit ist ein Standard-Herzultraschall gemeint. Die 2D-Echokardiographie liefert einen globalen Überblick über die Funktion des Herzens. Es lassen sich u.a. Größe und Pumpfunktion des Herzmuskels sowie die Morphologie der Herzklappen beurteilen.

 

Was bedeutet M-Mode Echokardiographie?

Beim sog. M-Mode(oder Time-Motion-Mode) handelt es sich um die älteste Form des Herzultraschalls, welche schon in den späten 70iger Jahren Einzug in die Veterinärkardiologie hielt. Kurz gefasst, wird hier die Bewegung des Herzmuskels entlang einer Linie gegen die Zeit aufgetragen. Es handelt sich somit um eine eindimensionale Aufzeichnung. Hiermit lassen sich Wandstärken und Innendurchmesser ausmessen sowie Rückschlüsse auf das Kontraktionsvermögen des Herzmuskels schließen. Ein Nachteil des M-Mode liegt darin, dass nur ein schmaler Gewebebereich in einem Untersuchungsgang evaluiert werden kann. Um Rückschlüsse auf die komplexe dreidimensionale Struktur des Herzmuskels ziehen zu können, sollten deshalb zusätzlich zum M-Mode neuere Untersuchungsmodalitäten (wie z.B. Volumenmessungen nach Simpson) eingesetzt werden. Wandstärkemessungen sollten bei Katzen – wenn überhaupt – nur unter großer Vorsicht mittels M-Mode Echokardiographie durchgeführt werden, da gerade die Wanddicke der linken Hinterwand leicht überschätzt werden kann.

 

Was bedeutet Doppleruntersuchung/Dopplerechokardiographie?

Die Dopplerechokardiographie zählt zu den neueren Untersuchungsmethoden, welche standardmäßig mit der 2D-Echokardiograpie zusammen durchgeführt werden sollte. Mittels Doppler lassen sich Rückschlüsse auf den Blutfluss (Blutflussdoppler) oder die Bewegung des Herzmuskels (Gewebedoppler) ziehen. Der Doppler erlaubt generell die Evaluierung von Geschwindigkeit und Richtung eines sich bewegenden Objektes – z.B. Blut oder Herzmuskel. Mittels Blutfluss-Doppler lassen sich Insuffizienzen, Stenosen oder andere Defekte wie Löcher in der Kammerscheidewand oder zusätzlich angelegte Gefäße erkennen.

Der Gewebedoppler erlaubt im Gegensatz zum Blutflussdoppler Rückschlüsse über die Funktion der Kammermuskulatur. Der Gewebedoppler wird erst seit wenigen Jahren in der Humanmedizin eingesetzt, wo er beispielsweise in der Frühdiagnostik von Herzerkrankungen zum Einsatz kommt. In der Tiermedizin erhofft man sich von ihm ebenfalls zusätzliche Informationen zum Standardherzultraschall.

 

PW-DopplerPW-Blutflussdoppler                        SpektralgewebedopplerSpektral-Gewebedoppler

Wozu brauche ich überhaupt einen Herzultraschall? Reichen Röntgenaufnahmen oder Bluttests nicht aus?

Grundsätzlich kann ein Röntgenbild nur die Herzsilhouette zeigen, d.h. der Herzschatten wird abgebildet und man kann so die Größe des Herzens abschätzen. Dies ist zunächst nicht in allen Fällen einfach, da das Herz oftmals im Röntgen größer erscheint, als es wirklich ist – die Echokardiographie ist hier genauer. Weiterhin zeigt das Röntgen nur den Herzschatten von „außen“, ein Blick „in das Innere des Herzens“ ist nicht möglich. Somit lässt sich also beispielsweise nicht sagen, wie gut der Herzmuskel pumpt. Über den Blutfluss im Herz lässt sich ebenfalls keine Aussage treffen. Generell kann man deshalb sagen, dass Röntgen und klinische Untersuchung häufig eine Verdachtsdiagnose liefern. Zur Beurteilung der Herzfunktion und zur endgültigen Diagnosestellung ist die Echokardiographie jedoch das Mittel der Wahl. Ähnliches wie für das Röntgen gilt für Bluttests wie beispielsweise die Messung von BNP. Diese deuten auf das Vorliegen einer Erkrankung hin, welche Erkrankung sich jedoch dahinter verbirgt, lässt sich nicht sagen.

 

Wozu Röntgen wenn doch schon ein Ultraschall gemacht wurde?

Oftmals entsteht die Frage, warum soll jetzt noch ein Röntgenbild gemacht werden, wo doch schon ein Herzultraschall gemacht wurde. Wie Sie oben bereits gelesen haben, ist das Röntgen der Echokardiographie in der kardialen Diagnostik ja weit unterlegen. Trotzdem stellt das Röntgen häufig einen wichtigen ergänzenden diagnostischen Schritt zum Herzultraschall dar. Das Lungengewebe kann nämlich nur mit Hilfe eines Röntgenbildes untersucht werden, hierzu ist die Ultraschalltechnik nicht in der Lage. Stellt sich beispielsweise bei einem hustenden oder dyspnoeischen Patienten die Frage nach dem Vorliegen eines Lungenödems, so muss dies das Röntgen klären. Denn auch wenn ein solcher Patient an einer Herzerkrankung leidet, heißt das nicht automatisch, dass die Herzerkrankung für die Symptomatik ursächlich ist. Gerade ältere Patienten leiden häufiger unter chronischen Erkrankungen des Atmungsapparates, welche genau dieselben Symptome verursachen wie eine weit fortgeschrittene Herzerkrankung.