Herzversagen – Symptom oder Krankheit?

Physiologische Verhältnisse; RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel; VC: Vena cava; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; PV: Pulmonalvene; Ao: Aorta
Physiologische Verhältnisse; RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel; VC: Vena cava; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; PV: Pulmonalvene; Ao: Aorta

Herzversagen, oder synonym Herzinsuffizienz, bezeichnet ein Symptom und keine Krankheit. Herzversagen ist das Endstadium einer Herzerkrankung und jede Herzerkrankung kann zum Herzversagen führen. Aber nicht jeder Patient mit einer Herzerkrankung ist automatisch im Herzversagen. Herzversagen stellt also keine alleinstehende Diagnose dar. Bei jedem Patienten im Herzversagen MUSS nach der zugrundeliegenden Erkrankung gesucht werden, damit man diese spezifisch behandeln kann.

Wodurch kommt es letzten Endes zum Herzversagen? Beinahe jede Herzerkrankung führt im weiter fortgeschrittenen Stadium zu einem Blutdruckabfall. Dies kompensiert der Körper zunächst durch einen Anstieg der Herzfrequenz. Als nächstes werden verschiedene andere Kompensationsmechanismen aktiv, da eine zu hohe Herzfrequenz auf Dauer schädlich für den Herzmuskel ist. Zu diesen Regelmechanismen zählt v.a. das Renin-Angiotension-Aldosteron-System (RAAS). Dieses System führt beispielsweise zu Umbauvorgängen im Myokard (Remodeling) sowie zu einer Rückgewinnung von Wasser an der Niere. Das Mehr an Flüssigkeit normalisiert zunächst den Blutdruck. Die zugrundeliegende Herzerkrankung schreitet aber u.a. durch die RAAS-Aktivierung immer weiter fort. Außerdem führen die Kompensationsmechanismen nicht dazu, dass der Herzmuskel von seiner Erkrankung geheilt wird.

Links-Herzversagen: linkes Atrium und Pulmonalvenen sind gestaut, es besteht ein Lungenödem; RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel; VC: Vena cava; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; PV: Pulmonalvene; Ao: Aorta
Links-Herzversagen: linkes Atrium und Pulmonalvenen sind gestaut, es besteht ein Lungenödem; RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel; VC: Vena cava; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; PV: Pulmonalvene; Ao: Aorta

Im Gegenteil, ab einem gewissen Zeitpunkt kann das kranke Herz die zusätzliche Flüssigkeit nicht mehr weiter transportieren. Ab diesem Zeitpunkt staut sich Blut in Lunge- oder Körperkreislauf zurück. Somit ist das Mehr an Wasser letztlich mit dafür verantwortlich, dass der Organismus ins Herzversagen rutscht. Die meisten kardialen Kompensationsmechanismen sind ätiologisch auf eine akute Verbesserung der Kreislaufsituation ausgelegt. Chronisch wirken sie sich dagegen negativ auf den Organismus aus. Es entsteht ein Teufelskreis, bei dem es zu einer immer stärkeren Verschlechterung der Herz-Kreislauf-Funktion kommt.

 

Deshalb werden abhängig vom Krankheitsstadium Medikamente verabreicht, die diesen Mechanismen entgegenwirken. Beispiele sind ACE-Hemmer, diese unterdrücken partiell die Wirkung des RAAS, sowie Entwässerungsmedikamente (Diuretika), die überschüssige Flüssigkeit aus dem Herz-Kreislaufsystem abtransportieren.

Patienten im Herzversagen sollten aus diesem Grund eine Doppeltherapie aus ACE-Hemmern und Diuretika erhalten. Das wegen seiner sehr guten Wirksamkeit am häufigsten eingesetzte Diuretikum ist Furosemid. Eine Therapie mit Furosemid vor Beginn des Herzversagens ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll.