Persistierender Ductus Arteriosus Botalli (PDA)

Für Ultraschall-Videos eines PDA siehe unten auf dieser Seite.

Der PDA stellt eine Gefäßanomalie dar, bei der nach der Geburt eine abnorme Gefäßverbindung zwischen Hauptschlagader und Lungenarterie bestehen bleibt. Durch diese Verbindung gelangt mehr Blut in den Lungenkreislauf und somit ins linke Herz. Folge davon ist eine zunehmende Vergrößerung von linker Haupt- und Vorkammer. Im Endstadium kann sich Blut in die Lunge zurückstauen.

 

Welche Tiere erkranken?

Der PDA zählt zu den drei häufigsten kongenitalen Herzerkrankung des Hundes, wohingegen Katzen selten betroffen sind. Prädisponierte Hunderassen sind u.a. der Spitz, Shelties, Malteser, Schäferhunde sowie Mini- und Zwergpudel.

 

 

Welche Symptome bemerkt der Besitzer?

Die Mehrzahl der Patienten ist auch mit großen PDAs über einen langen Zeitraum asymptomatisch. Einziges klinisches Anzeichen ist, dass die Hunde ein sehr lautes Herzgeräusch haben. Oft ist dieses so laut, dass durch das Geräusch ein Teil des Brustkorbs zu vibrieren beginnt. Diese Vibration wird von vielen Besitzern bemerkt, wenn sie ihr Tier auf den Arm nehmen. Lange bestehende PDAs führen oft ins Linksherzversagen mit den klassischen Atemsymptomen und Leistungsschwäche. Gerade die Tatsache, dass viele Patienten lange asymptomatisch bleiben, lässt der klinischen Untersuchung von Welpen einen sehr großen Stellenwert zukommen. Je länger der Defekt nämlich unerkannt bleibt, umso größer sind die negativen Auswirkungen auf den Herzmuskel.

Klinische Symptome im Linksherzversagen:

Dyspnoe oder Tachypnoe

Husten

Leistungsintoleranz

Verhältnisse beim Ungeborenen; RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; Ao: Aorta
Verhältnisse beim Ungeborenen; RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; Ao: Aorta

Wodurch entsteht ein PDA? Was sind die Auswirkungen auf den Herzmuskel?

Um das zu verstehen, muss man etwas weiter in die Physiologie einsteigen. Der PDA zählt zu den  angeborenen Erkrankungen. In Folge eines oder mehrerer Gendefekte verschließt sich ein Gefäß – der ductus arteriosus botalli – nicht. Dieses Gefäß leitet beim ungeborenen Lebewesen Blut an der Lunge vorbei. Beim Ungeborenen ist eine Umgehung der Lunge sinnvoll, weil diese nicht belüftet ist. Durch die „Nicht-Belüftung“ ist der Druck in den Lungengefäßen extrem hoch, höher sogar als im Körperkreislauf. Dadurch fließt das Blut aus dem rechten Herz in die Lungenarterie und von dort über den ductus arteriosus in die Hauptschlager und so in den Körperkreislauf. Der ductus arteriosus ist also bei allen unseren Haustieren und auch beim Menschen in der frühen Entwicklung angelegt, um den Lungenkreislauf zu umgehen.

Offener PDA mit Links-Rechts-Fluss; RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; Ao: Aorta
Offener PDA mit Links-Rechts-Fluss; RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; Ao: Aorta

 

 

Während der Geburt tut das Neugeborene dann seinen ersten Atemzug. Dies hat zum einen zur Folge, dass die Lunge sich entfaltet, wodurch ihr Gefäßdruck extrem abfällt, weit unter den Druck im Körperkreislauf.  Außerdem steigt die Sauerstoffsättigung im Blut stark an. Dieser Anstieg der Sauerstoffkonzentration führt über  verschiedene Regelsysteme dazu, dass sich der ductus zusammenzieht und sich letztlich komplett verschließt. Ist die Gefäßmuskulatur um den ducuts arteriosus herum zu schwach ausgebildet, kann sich das Gefäß nicht verschließen, es entsteht ein persistierender ductus arteriosus. Der Druckabfall in der Lunge bedingt wiederum, dass ein Teil des Blutes jetzt von der Aorta in die Pulmonalerterie fließt.

Folge des PDA ist eine Vergrößerung von linker Haupt- und Vorkammer; RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; Ao: Aorta
Folge des PDA ist eine Vergrößerung von linker Haupt- und Vorkammer; RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; Ao: Aorta

Von der Pulmonalarterie fließt es in die Lunge und zurück zu linkem Atrium und Ventrikel. Dadurch steht dem linken Herz eine größere Voluemnmenge an Blut zur Verfügung wodurch es zur einer chronischen Volumenüberlastung und in Folge zu einer Vergrößerung von linker Vor- und Hauptkammer kommt. Im schlimmsten Fall kann sich Blut in die Lunge zurückstauen, es entsteht ein Lungenödem.

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Oft fällt schon dem Tierbesitzer ein abnormaler Herzschlag in Form eines Brustwandschwirrens auf. Dieses Bustwandschwirren fühlt sich in etwa so an, als ob man seine Hände auf einen Mixer legt. Es fällt vor allem dann auf, wenn die Welpen von ihrem Besitzer auf den Arm genommen werden. Außerdem führt der PDA zu einem typischen Herzgeräusch, einem sog. Maschinengeräusch. So kann schon in den meisten Fällen aufgrund der klinischen Untersuchung eine Verdachtsdiagnose ausgesprochen werden. Zur Bestätigung der Diagnose ist aber wiederum der Herzultraschall unerlässlich. Hier kann zum einen der Blutfluss im PDA sowie in den meisten Fällen das abnorme Gefäß selbst dargestellt werden. Dies ist u.a. zur Therapieplanung wichtig, da der ductus vor einem interventionellen Verschluss genau vermessen werden muss. Außerdem liefert die Echokardiographie wichtige Hinweise über Größe und Funktion des Herzmuskels.

Das Video oben zeigt die typische linksseitige Volumenüberladung, welche durch  einen PDA hervorgerufen wird. Unten im Video ist der echokardiographische Nachweis für den PDA zu sehen - hierfür ist eine Doppleruntersuchung unerläßlich. Blut fliesst aus der PDA-Ampulle (roter Blutfluss) in die Lungenarterie und verwirbelt dort (bunte Farbe).

Mittels Coil verschlossener PDA; RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; Ao: Aorta
Mittels Coil verschlossener PDA; RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; Ao: Aorta

 

Wie kann ein PDA behandelt werden?

In den meisten Fällen ist ein Verschluss des PDA unumgänglich. Dazu stehen zwei erprobte Methoden zur verfügung, die chirurgische Ligatur sowie ein katheterbasierter interventioneller Verschluss mit Coils oder Amplatzer-Duct-Occludern. Die chirurgische Variante gilt mittlerweile als veraltet, insofern sie eine chirurgische Eröffnung des Brustkorbs voraussetzt und so eine nicht unerheblich Belastung für den Patienten darstellt. Das neuere, minimalinvasive Verfahren des katheterbasierten Verschlusses stellt mittlerweile die Therapie der Wahl dar. Hierbei wird ein Katheter über eine Beinarterie in das Gefäßsystem eingebracht. Hier gehts zum PDA-Verschluss...

 

Verschließt sich ein PDA auch von selbst?

Mit 99%iger Sicherheit: Nein.

 

Wie ist die Prognose?

Die Prognose ist davon abhängig, wie früh der Defekt erkannt wurde. In den meisten Fällen haben die Patienten nach erfolgreichem Verschluss eine ganz normale Lebenserwartung bei uneingeschränkter Lebensqualität. Eine früh eingeleitete Therapie ist also entscheidend für den weiteren Verlauf. Dabei kommt es zumeist aber nicht auf einige Tage an. In manchen Fällen ist ein Welpe noch so klein, dass ein interventioneller Verschluss um ein paar Wochen verschoben werden muss, damit ein Katheter in das Gefäßsystem eingeführt werden kann.  Dies ist in der Mehrzahl der Fälle möglich. Länger als einige Monate sollte aber nicht gewartet werden.

 

Kann mit Hunden, die an einem PDA leiden, gezüchtet werden?

Die Erkrankung wird mit aller Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen weitergegeben. Einer weiteren Verwendung zur Zucht sollte man kritisch gegenüber stehen.