Allgemeines

Mancher Besitzer mag erstaunt sein, aber Herzerkrankungen sind bei unseren Haustieren keine Seltenheit… genau wie beim Menschen. Im Gegensatz zu Erkrankungen des Magen-Darm-Kanals oder der Haut bleiben Herzerkrankungen jedoch für den Besitzer besonders im Frühstadium oft unerkannt. Deshalb ist ein jährlicher Check up gerade für in die Jahre gekommene Vierbeiner umso wichtiger. Dabei ist eine klinische Untersuchung  mit ausführlicher Auskultation (Abhören mit dem Stethoskop) ausreichend, wenn kein direkter Verdacht auf das Vorliegen einer kardialen Erkrankung besteht.

Wird eine Herzerkrankung vermutet - wenn z.B. ein Herzgeräusch diagnostiziert wurde oder vorberichtlich Leistungsschwäche, Husten oder Atemnot bestehen - müssen weiterführende diagnostische Schritte eingeleitet werden. Neben ergänzenden diagnostischen Methoden wie dem Röntgen oder dem EKG kommt der Echokardiographie (Herzultraschall) hier eine zentrale Rolle zu. Nur mittels Herzultraschall lässt sich in den meisten Fällen eine genaue Diagnose stellen und nur so kann eine zielgerichtete Therapie eingeleitet werden.

Aber nicht nur unsere geriatrischen Patienten profitieren von einer sorgfältig durchgeführten klinischen Untersuchung durch einen Spezialisten. Gerade Welpen sollten zum Zeitpunkt ihrer Impfungen immer mittels Stethoskop abgehört werden. Angeborene Herzerkrankungen sind speziell beim Hund nicht selten. Sie sind in vielen Fällen für den Besitzer nicht erkennbar, da die Patienten erst im weit fortgeschrittenen Stadium klinische Symptome wie Leistungsschwäche oder Atemnot zeigen. Bei Auftreten der ersten Symptome ist es jedoch oft schon zu spät.

Nicht oder zu spät diagnostizierte Defekte schädigen den Herzmuskel so stark, dass für den Patienten häufig keine normale Lebensdauer mehr zu erwarten ist. Besteht aufgrund des Vorberichts oder aufgrund der klinischen Untersuchung der Verdacht einer angeborenen Herzerkrankung, sollte in jedem Fall eine Echokardiographie erfolgen. Rechtzeitig erkannte Defekte können in den meisten Fällen mittels minimalinvasiver Kathetereingriffe wie z.B. einer Coil-Embolisation oder einer Ballondilatation behandelt werden. So therapierte Patienten haben dann eine ganz normale Lebenserwartung bei einer sehr guten Lebensqualität.

Überhaupt steht in der Kleintierkardiologie die Lebensqualität unser Vierbeiner an erster Stelle. Im Gegensatz zu den angeborenen Erkrankungen von Jungtieren  können die sogenannten erworbenen Erkrankungen adulter Tiere meist nur palliativ, also unterstützend therapiert werden. Eine Heilung ist in der Regel nicht möglich (eine Ausnahme stellen sehr langsame Herzrhythmusstörungen dar, welche durch die Implantation eines Herzschrittmachers behoben werden können). Durch verschiedene Medikamente wird hier versucht, die Lebensdauer der Patienten bei guter Lebensqualität zu verlängern. Die Therapie sollte nur so lange fortgesetzt werden, wie eine gute Lebensqualität gegeben ist.