Perikarderguss

Perikarderguss bezeichnet die pathologische Ansammlung von Flüssigkeit im Herzbeutel. Diese Flüssigkeitsansammlung drückt auf den Herzmuskel, so dass sich dieser nicht mehr richtig mit Blut füllen kann was zur Wasseransammlung in Bauchraum und Brustkorb führt. Dabei fällt oft der Blutdruck stark ab und es kann aufgrund der Wasseransammlung im Brustkorb zur Atemnot kommen. Deshalb handelt es sich um eine lebensbedrohliche Erkrankung, die man schnellstmöglich behandeln sollte.

 

Welche Tiere erkranken?

An Perikardergüssen leiden überwiegend Hunde, eher selten tritt er bei Katzen auf. Ein Perikarderguss kann in allen Altersstufen auftreten, überwiegend sind jedoch mittel-alte bis alte Hunde betroffen.

Häufig betroffene Hunderassen sind:

Schäferhunde

Golden Retriever und Labrador Retriever

 

Welche Symptome fallen dem Besitzer auf?

Die ersten und auch häufigsten Krankheitsanzeichen, die dem Besitzer auffallen sind Leistungsschwäche und/oder eine zunehmend dicker werdender Bauch. Staut sich Blut in den Brustkorb zurück, kann zusätzlich Atemnot auftreten.

Die häufigsten Symptome sind im Folgenden aufgelistet:

Leistungsschwäche

Kollaps

Umfangsvermehrter Bauch

Tachypnoe bis hin zur Dyspnoe

Abmagerung im Endstadium

 

Wodurch entsteht ein Perikarderguss?

Vor allem zwei Krankheitsgruppen sind beim Hund für das Auftreten von Perikardergüssen verantwortlich: die sog. idiopathischen Ergüsse und die tumorbedingten Ergüsse. Die als idiopathisch bezeichneten Herzbeutelergüsse entstehen infolge einer Entzündung des Herzbeutels. Wodurch diese auftritt, ist bisher weitestgehend ungeklärt, daher auch die Bezeichnung idiopathisch.

In der tumorbedingten Gruppe gibt es v.a. drei Tumorarten, die zu Herzbeutelergüssen führen. Diese sind das sehr maligne Hämangiosarkom, der eher benignere Herzbasistumor oder das Mesotheliom, welches auch einen eher bösartigen Verlauf nimmt. 

In selteneren Fällen können Perikardergüsse auch im Rahmen einer Ruptur  oder eines kleinen Lochs von einem der beiden Vorhöfe auftreten. Ursache sind oft Mitralinsuffizienzen im Endstadium. Die Behandlungsrichtlinien, die unten beschrieben werden, gelten NICHT für diese Patientengruppe.

Katzen bekommen selten Perikardergüsse. Ursachen können Herzversagen, FIP (feline Peritonitis), bakterielle Krankheitserreger wie Nokardien oder Tumore (überwiegend Lymphome) sein.

 

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Oft kann schon anhand der klinischen Untersuchung mittels Auskultation, bei der gedämpfte Herztöne auffallen, eine vorläufige Diagnose gestellt werden. Das Röntgen ist insofern eher unspezifisch, insofern hier eine vergrößerte Herzsilhouette auffällt. Ursächlich hierfür können aber eine ganze Reihe von Erkrankungen, Fettleibigkeit oder die Form des Brustkorbs sein (gerade bei Hunden mit “tonnenförmigem“ Brustkorb kann das Herz gedämpft klingen).

Das EKG ist ein wesentlich besser zur Diagnosestellung des Herzbeutelergusses geeignet.  Hier fallen zu niedrige (Hypovoltage) und auch oftmals in ihrer Größe schwankende Erregungskomplexe (elektrischer Alternans) auf.

Das genaueste Diagnostikum ist  jedoch der Herzultraschall. Hier lässt sich feststellen, ob und wie viel Flüssigkeit im Herzbeutel vorhanden ist. Außerdem kann man nur im Ultraschall nach der zugrunde liegenden Ursache suchen. Hämangiosarkome treten dabei überwiegend im rechten Vorhof auf. Herzbasistumore dagegen liegen direkt um die Hauptschlagader. Mesotheliome dagegen lassen sich nicht im  Ultraschall erkennen, da es sich hier um multiple, über den gesamten Herzbeutel verteilte reiskorngroße Tumore handelt.

Genau wie beim Mesotheliom findet man beim idiopathischen Erguss keine Ursache. Die Diagnose idiopathischer Erguss ist somit ein Ausschlussverfahren, wobei man leider Mesotheliome ebenfalls nie ausschließen kann. Letztere lassen sich nur mittels Herzmuskelbiopsie diagnostizieren. Eine Ergussanalyse ist in fast allen Fällen nicht aussagekräftig.

 

Aufgrund des Perikardergusses kann das Blut kaum in den rechten Vorhof (Pfeil) einfließen; PE: Perikarderguss; RV: rechter Ventrikel; VC: Vena cava; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; PV: Pulmonalvene; Ao: Aorta
Aufgrund des Perikardergusses kann das Blut kaum in den rechten Vorhof (Pfeil) einfließen; PE: Perikarderguss; RV: rechter Ventrikel; VC: Vena cava; Pu: Pulmonalarterie; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; PV: Pulmonalvene; Ao: Aorta

Was passiert bei einem Herzbeutelerguss?

Infolge der Flüssigkeitsansammlung steigt der Druck im Herzbeutel. Dieser Druckanstieg bewirkt, dass sich die rechte Vorkammer – als die Kammer mit dem niedrigsten Druck – nicht mehr mit Blut füllen kann. Dies führt zur Entstehung einer Herztamponade, welche für die klinischen Symptome verantwortlich ist. Da das rechte Atrium die Eintrittspforte für das Blut in den Herzmuskel darstellt, gelangt somit zu wenig Blut in das gesamte Herz und letztendlich in den Körperkreislauf. Dies führt zu Schwäche bis hin zum Kollaps. Zeichen eines Rechtsherzversagens sind Wasser in Bauch und Brustkorb, welche durch den Rückstau vor dem rechten Vorhof hervorgerufen werden.

 

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Bei dieser lebensbedrohlichen Erkrankung sollte so schnell wie möglich eine Therapie eingeleitet werden. Die EINZIGE Möglichkeit, die Flüssigkeit aus dem Herzbeutel zu entfernen, ist die Perikardiozentese. Hier wird der Herzbeutel mit einem Katheter durch die Brustwand durch punktiert und die Flüssigkeit abgesaugt. Dieser Eingriff sollte nur von einem erfahrenen Kardiologen durchgeführt werden, da er mit Risiken verbunden ist.

Die Gabe von Entwässerungsmedikamenten ist dagegen strengstens KONTRAINDIZIERT, weil diese den Erguss nicht schnell genug aus dem Herzbeutel entfernen. Dagegen entfernen sie Flüssigkeit aus dem schon in Mitleidenschaft gezogenen Kreislauf, was zu einem lebensbedrohlichen Absinken des Blutdrucks führen kann.

Leider gibt es bisher keine Medikamente, welche die Neubildung eines Perikardergusses verhindern oder verzögern könnten. Deshalb muss bei Wiederauftreten immer wieder punktiert werden. Perikardiozentesen sollten aber möglichst nicht dauerhaft durchgeführt werden, da einerseits immer ein Risiko während der Punktion besteht und es andererseits durch den ständigen Entzündungsreiz im Herzbeutel zu einer konstriktiven Perikarditis kommen kann. Hierbei handelt es sich um eine Verklebung des Perikards mit dem Herzmuskel, welche eine schlechte Prognose aufweist. Deshalb sollte bei Patienten mit chronisch rezidivierendem Perikarderguss eine Perikardektomie oder eine Perikardfenestration angeraten werden. Hierbei wird chirurgisch entweder der Herzbeutel fast komplett entfernt oder es werden Löcher in den Herzbeutel geschnitten, so dass Flüssigkeit, die sich im Herzbeutel sammeln würde, einfach die die Brusthöhle ablaufen kann. Dort befinden sich zahlreiche Lymphgefäße, die diese dann einfach abtransportieren.

 

Kann man vorhersagen, wann und wie oft ein Perikarderguss zurückkommt, nachdem er einmal punktiert wurde?

Die Antwort hier ist leider so einfach wie unbefriedigend: nein. Man kann nicht vorhersagen, in welchen Abständen sich der Erguss neu bilden wird, auch wenn man seine Ätiologie kennt. Bei Patienten mit idiopathischem Erguss reicht manchmal nur eine einzige Punktion und der Erguss bildet sich nicht mehr neu, bei anderen kehrt der Erguss so frequent wieder, dass eine chirurgische Lösung angestrebt werden muss. Grundsätzlich kehren Ergüsse mit maligner Ursache schneller zurück als solche mit benigner. So kann es sein, dass sich ein Erguss aufgrund eines Hämangiosarkoms innerhalb weniger Stunden wieder neu bildet.

 

Ist eine labordiagnostische Analyse des Ergusses notwendig?

In den meisten Fällen ist diese nicht aussagekräftig. Nur selten kann es sinnvoll sein, den Erguss beispielsweise auf Bakterien oder Tumorzellen untersuchen zu lassen. 

 

Wie ist die Prognose?

Die Prognose ist abhängig von der zugrundeliegenden Ursache. Idiopathische Ergüsse haben gerade im Verbund mit einer chirurgischen Entfernung des Perikards eine sehr gute Prognose.

Patienten mit Herzbasistumoren haben im Durchschnitt eine Überlebenszeit von ca. 12 Monaten, Hunde mit Mesotheliom liegen mit Chemotherapie etwa im selben Zeitraum.

Die schlechteste Prognose liegt bei Hämangiosarkomen, hier werden selten Überlebenszeiten von mehr als 3 bis 6 Monaten erreicht. Einige Patienten können aufgrund des Tumors auch direkt in den Herzbeutel bluten, wodurch die Prognose infaust wird. 

 

Was können Sie als Besitzer eines erkrankten Patienten tun?

Ein gutes Maß zur Früherkennung ist der Bauchumfang. Bei Patienten mit rezidivierendem Perikarderguss sollte dieser am besten mit einem Maßband regelmäßig kontrolliert werden. Nimmt der Bauch an Umfang zu, ist dies ein Hinweis auf Aszites, welcher wiederum auf eine vermehrte Flüssigkeitsmenge im Herzbeutel schließen lässt. In so einem Fall können Sie als Besitzer frühzeitig einen Termin zur Perikardiozentese vereinbaren, bevor der sich der Allgemeinzustand Ihres Hundes wieder dramatisch verschlechtert.